Vom Golfplatz zur Blumenwiese

Er kennt die Kunst des perfekten Rasens. Heute nutzt Landschaftsgärtner Adrian Schwarz sein Fachwissen, um Aussenräume weiterzudenken – weg vom Green, hin zu biodiversen Lebensräumen. 

Menschen
| 10.03.26
Adrian Schwarz

Adrian Schwarz steht gern auf Flächen, die auf den ersten Blick wenig hergeben. Monotone Rasen, Hecken, Betonplätze – für viele gepflegte Umgebung. Für ihn: ungenutztes Potenzial. 

Der 37-jährige Landschaftsgärtner arbeitet seit etwas mehr als zwei Jahren bei Terresta, ist für die Umgebungsarbeiten rund um Liegenschaften zuständig. Zuvor wurden Rasen und Bäume im Rahmen der Hauswartung unterhalten. Heute geht es um mehr: um Biodiversität, um ökologische Aufwertungen, um Lebensräume mitten im Siedlungsgebiet.

Viele Liegenschaften der Terresta stammen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Gepflanzt wurde, was pflegeleicht war und ordentlich wirkte: viel Gebrauchsrasen, Bodendecker, Kirschlorbeer. «Coole Flächen, mega Potenzial – aber toter Lebensraum», sagt Adrian Schwarz. Gemeinsam mit seinem Mitarbeiter will er das ändern. Fünf Liegenschaften pro Jahr möchte seine Arbeitgeberin aufwerten. Für jede entwickelt Adrian Schwarz ein eigenes Konzept. Sind erste Ideen da, bespricht er sie mit der Bewirtschaftung vor Ort. «Alle müssen mitziehen, sonst funktioniert es langfristig nicht.»

Sein Werdegang führte ihn nicht geradlinig zur Ökologie: Nach der Lehre zum Landschaftsgärtner zog es ihn in die USA. Das Land kannte er bereits aus der Kindheit, er hatte mit seinen Eltern kurze Zeit in Kalifornien, nahe Sacramento, gelebt. Adrian Schwarz fand Arbeit auf einem Golfplatz. Dort lernte er nicht nur alles über perfekte Rasenpflege, sondern auch Golf zu spielen. «Seit ich nicht mehr auf dem Golfplatz arbeite, spiele ich nicht mehr. Ich kann es mir schlicht nicht leisten», sagt er und lacht.

Zurück in der Schweiz begann er als Saisonnier auf dem Golfplatz Lipperswil, verbrachte die Winter in Vietnam, Australien, Südafrika, arbeitete in Kuala Lumpur. Zurück in Lipperswil liess er sich in Deutschland zum Fachagrarwirt Golfplatz ausbilden. 

Es brauchte eine Veränderung

Schon damals setzte Adrian Schwarz auf Biodiversität. «Das Image des Golfplatzes ist schlechter als der Golfplatz selbst», sagt er. In der Schweiz muss beim Bau eines Golfplatzes ein Drittel der Fläche als ökologische Ausgleichsfläche ausgewiesen werden. «Wir hatten rund 30 Hektaren – Blumenwiesen, Hochstamm-Obstbäume, Hecken.» Adrian Schwarz pflegte und entwickelte die Flächen weiter.

Parallel absolvierte er die Ausbildung zum Head Greenkeeper – vergleichbar mit einer Meisterprüfung. Als die Golf Environment Organization eine Art ISO-Zertifizierung für Nachhaltigkeit einführte, war sein Ehrgeiz geweckt. «Sein» Platz führte als erster in der Schweiz ein Biodiversitätsmonitoring durch – und schnitt gut ab.

«Das war das, was mir am meisten Spass machte.» Adrian Schwarz organisierte Informationsnachmittage für Mitglieder, erklärte Massnahmen, warb um Verständnis. Die Schattenseite: In den warmen Monaten arbeitete er Tag und Nacht, fast jedes Wochenende.

Dann wurde er Vater. Vor vier Jahren kam seine Tochter zur Welt. Adrian Schwarz machte neben der Arbeit die Weiterbildung zur Fachperson Biodiversität. Doch mit dem Schichtdienst seiner Frau auf der Intensivstation des Kantonsspitals liess sich das Familienleben kaum mehr organisieren. Es brauchte eine Veränderung.

Durch einen Artikel im «Landbote» wurde er auf Terresta aufmerksam. Im Text ging es um ökologische Sanierungen, Fassadenbegrünungen, Solaranlagen – um den Anspruch, Nachhaltigkeit am Bau umzusetzen. «In so einem Betrieb möchte ich arbeiten», dachte Adrian Schwarz. Als er die ausgeschriebene Gärtnerstelle sah, bewarb er sich.

Die Freiheit geniessen

Heute geniesst er im Team die Freiheit, Neues auszuprobieren. «Ich bekomme viel Vertrauen und werde ermutigt, Ideen umzusetzen.» Bei Neubauten sei man innovativ, bei Aufwertungen schreite man mit Siebenmeilenstiefeln voran. Ihm ist wichtig zu betonen, dass es nicht in erster Linie um Naturschutz gehe, sondern um die Qualität des Siedlungsraums. «Für Bienen und Vögel – aber auch für die Menschen. Es macht einen Unterschied, ob du auf eine Blumenwiese blickst oder auf einen Teerplatz.»

«Es macht einen Unterschied, ob du auf eine Blumenwiese blickst oder auf einen Teerplatz»

Adrian Schwarz

Für die Zukunft wünscht er sich, die Wirkung der Massnahmen noch systematischer zu überprüfen – gemeinsam mit Umweltorganisationen. Welche Vögel von der Roten Liste kehren ins Quartier zurück? Welche geschützten Insekten finden wieder Lebensraum? «Um einen Wohnblock herum kann man sehr viel bewirken», ist er überzeugt.

Privat sei er seit der Geburt seiner Tochter «ein Bünzli», sagt er lachend. Heimkommen, essen, mit der Kleinen spielen – er geniesst das. Im Frühling zieht die Familie in ein Haus in Oberohringen. Was dort in den Garten kommt, ist bereits Thema am Familientisch. Seine Frau träumt von einem Gemüsegarten. Und er? «Von Bodendeckern und Gebrauchsrasen», sagt er und lacht. Natürlich nicht. Er will experimentieren – bis er die beste Lösung gefunden hat. Für die Bienen, die Vögel. Und für die Menschen.

  • Text

    Tanja Polli

  • Foto

    Micha Steinmann / TBS